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Einfluss der Energieeffizienz auf Immobilienpreise

26 Januar
Einfluss der Energieeffizienz auf Immobilienpreise

Einfluss der Energieeffizienz auf Immobilienpreise: Wie stark der energetische Zustand heute den Marktwert bestimmt

Die Energieeffizienz eines Gebäudes hat sich in den vergangenen Jahren zu einem messbaren Preisfaktor am Immobilienmarkt entwickelt. Der Einfluss der Energieeffizienz auf Immobilienpreise war lange vor allem ein Zukunftsthema, gewinnt inzwischen jedoch spürbar an Bedeutung. Kaufpreise, Mieten und Investitionsentscheidungen reagieren heute deutlich sensibler auf den energetischen Zustand einer Immobilie. Aktuelle Marktdaten zeigen, dass Energieeffizienz nicht mehr nur eine qualitative Eigenschaft ist, sondern zunehmend direkt in Eurobeträgen und Quadratmeterpreisen bewertet wird.

Eine aktuelle Auswertung von Wüest Partner belegt, dass sich der Einfluss der Energieeffizienz auf Immobilienpreise weiter verstärkt hat. Bei vergleichbaren Objekten lassen sich erhebliche Preisunterschiede feststellen, die im Wesentlichen auf unterschiedliche energetische Standards zurückzuführen sind.

Energieeffizienz auf Immobilienpreise

Bildquelle: Siân Wynn-Jones auf Unsplash

Energieeffizienz als dauerhafter Preisfaktor

Die Analyse zeigt, dass Energieeffizienz inzwischen ein fester Bestandteil der Preisbildung ist. Bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern liegen die möglichen Preiseffekte bei rund 32 Prozent. Noch deutlicher fällt der Effekt bei Mehrfamilienhäusern aus, wo Preisunterschiede von bis zu 36 Prozent beobachtet wurden. Auch im Bürosegment zeigt sich ein klarer Zusammenhang, hier liegen die Preiswirkungen bei rund 31 Prozent.

Energieeffizienz wirkt damit nicht mehr nur als begleitender Bewertungsfaktor, sondern zunehmend als eigenständiger Treiber von Marktwerten. Immobilien mit guter energetischer Qualität erzielen systematisch höhere Preise, während ineffiziente Gebäude immer häufiger Abschläge hinnehmen müssen.

Zusammenhang zwischen Effizienzklasse und Immobilienpreis

Besonders deutlich wird der Einfluss bei der Betrachtung der Energieeffizienzklassen. Zwischen der Einstufung eines Gebäudes und seinem Marktwert besteht ein linearer, statistisch belastbarer Zusammenhang. Mit jeder schlechteren Effizienzklasse sinkt der erzielbare Kaufpreis messbar.

Im Wohnsegment reduziert sich der Preis bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern im Durchschnitt um rund 107 Euro pro Quadratmeter je Effizienzklasse. Bei Mehrfamilienhäusern fällt der Abschlag mit etwa 118 Euro pro Quadratmeter noch höher aus. Auch bei Büroimmobilien sind ähnliche Effekte zu beobachten, hier sinkt der Kaufpreis um rund 115 Euro pro Quadratmeter je Effizienzklasse. Der energetische Zustand ist damit längst mehr als ein Verhandlungsargument und wird zunehmend direkt in die Preisbildung einbezogen.

Auswirkungen auf Mieten und Erträge

Neben den Kaufpreisen wirkt sich die Energieeffizienz auch auf die Mietseite aus. Im Wohnbereich sinkt die durchschnittliche Kaltmiete um etwa 0,22 Euro pro Quadratmeter je schlechterer Effizienzklasse. Im Büromarkt fällt der Effekt mit rund 0,30 Euro pro Quadratmeter sogar noch stärker aus.

Für Investoren zeigt sich damit ein doppelter Effekt: energetisch schwächere Gebäude werden günstiger gehandelt und erzielen zugleich niedrigere Mieten. Energieeffizienz beeinflusst somit nicht nur den Kaufpreis, sondern auch die langfristige Ertragskraft einer Immobilie.

Energieeffizienz auf Immobilienpreise

Bildquelle: Jakub Żerdzicki auf Unsplash

CO₂-Emissionen als zusätzlicher Wertfaktor

Neben der Effizienzklasse spielt auch der tatsächliche CO₂-Ausstoß eine Rolle für den Marktwert eines Gebäudes. Eine weitere empirische Untersuchung analysierte Mehrfamilienhäuser in Berlin über mehrere Jahre hinweg und betrachtete den simulierten Energiebedarf sowie die daraus resultierenden Emissionen.

Das Ergebnis zeigt einen klaren Zusammenhang: Für jedes zusätzliche Kilogramm CO₂-Emissionen pro Quadratmeter und Jahr ergibt sich ein durchschnittlicher Preisabschlag von rund zwei Euro pro Quadratmeter. Bezogen auf die untersuchten Transaktionen entstehen damit deutliche Wertvorteile für emissionsarme Gebäude und spürbare Nachteile für ineffiziente Bestände.

Datengrundlage und Vergleichbarkeit

Die Ergebnisse basieren auf einer umfangreichen Auswertung von mehr als 1,38 Millionen Markt- und Angebotsdaten aus ganz Deutschland. Um belastbare Vergleiche zu ermöglichen, wurden Faktoren wie Mikro- und Makrolage, Baujahr, Gebäudegröße, Zimmeranzahl sowie der bauliche Zustand statistisch bereinigt.

Die festgestellten Preisunterschiede lassen sich damit überwiegend auf den energetischen Zustand zurückführen und nicht auf Lage oder andere Gebäudeeigenschaften.

Der Einfluss der Energieeffizienz auf Immobilienpreise ist heute eindeutig nachweisbar. Kaufpreise und Mieten reagieren sensibel auf den energetischen Zustand, und ineffiziente Gebäude verlieren zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit. Energieeffizienz hat sich damit von einem Zukunftsthema zu einem festen Bestandteil der heutigen Preisbildung entwickelt.

Für Käufer, Eigentümer und Investoren bedeutet das, dass der energetische Zustand einer Immobilie nicht mehr als Randaspekt betrachtet werden kann, sondern eine zentrale Rolle bei der Bewertung und bei Investitionsentscheidungen spielt.

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