Die energetische Sanierung von Wohngebäuden kommt seit Jahren nicht richtig voran. Dabei ist der Druck hoch: Der Gebäudesektor zählt zu den größten CO₂-Verursachern in Deutschland. Trotzdem sinkt die Sanierungsquote weiter. In der Branche wird deshalb ein neuer Ansatz diskutiert: eine Art „Sanierung light“, angelehnt an den Gebäudetyp E im Neubau.

Bildquelle: Alexander David auf Unsplash
Die Zahlen sind ernüchternd. 2025 wurden im deutschen Wohngebäudebestand nur noch 0,67 Prozent energetisch saniert. Zum Vergleich: 2022 lag die Quote noch bei 0,88 Prozent. Um die Klimaziele zu erreichen, wären rund zwei Prozent pro Jahr notwendig.
Deutschland zählt rund 19,5 Millionen Wohngebäude. Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr etwa 260.000 Wohneinheiten energetisch modernisiert – deutlich weniger als von Experten gefordert. Die Deutsche Energie-Agentur geht davon aus, dass es 2025 rund 460.000 Einheiten hätten sein müssen. Bis 2030 müsste diese Zahl sogar auf bis zu 730.000 steigen.
Gleichzeitig verursachen Gebäude noch immer rund 30 bis 36 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen. Besonders problematisch sind die energetisch schlechtesten Immobilien der Klassen G und H. Sie stehen für rund die Hälfte des Energieverbrauchs im Gebäudesektor. Zwei Drittel aller Wohnhäuser liegen insgesamt in den Effizienzklassen D bis H – mit entsprechend hohen Energieverbräuchen und steigenden Nebenkosten für Bewohner. Am Markt werden solche Objekte inzwischen mit deutlichen Abschlägen gehandelt, teils bis zu 40 Prozent unter dem Wert sanierter Gebäude.
Eine Umfrage des Immobilienhauses Aengevelt zeigt: Nur knapp ein Viertel der Eigentümer rechnet mit steigenden Investitionen in Modernisierung und Instandsetzung. Bei rein energetischen Maßnahmen liegt der Wert mit 34 Prozent etwas höher – aber auch das signalisiert Zurückhaltung.
Die Gründe sind vielfältig:
Dazu kommt die Unsicherheit durch die europäische Debatte um mögliche Sanierungspflichten sowie durch die schleppende kommunale Wärmeplanung. Fernwärmeanschlüsse sind vielerorts teuer oder gar nicht verfügbar.

Bildquelle: Dhruv Saran Mehra auf Unsplash
Vor diesem Hintergrund bringt Aengevelt eine abgespeckte Variante ins Spiel – vergleichbar mit dem Gebäudetyp E im Neubau. Gedacht ist an ein vereinfachtes Sanierungsmodell mit geringeren technischen Vorgaben und niedrigeren Kosten.
Statt 100 Prozent der aktuellen Anforderungen zu erfüllen, könnten etwa 80 Prozent der Dämmstandards ausreichen. Ziel wäre, Hemmschwellen zu senken und mehr Eigentümer zu motivieren, überhaupt tätig zu werden. Befürworter argumentieren: Lieber viele Gebäude spürbar verbessern als wenige perfekt sanieren.
Flankierend werden steuerliche Anpassungen vorgeschlagen, etwa Ausnahmen bei energetischen Maßnahmen vom anschaffungsnahen Erhaltungsaufwand. Auch eine Lockerung der Begrenzungen bei modernisierungsbedingten Mieterhöhungen steht im Raum.
Die Debatte um eine „Sanierung light“ zeigt vor allem eines: Zwischen ambitionierten Klimazielen und wirtschaftlicher Realität klafft eine Lücke. Die derzeitige Sanierungsquote reicht bei Weitem nicht aus. Gleichzeitig fühlen sich viele Eigentümer von Anforderungen, Kosten und politischer Unklarheit überfordert.
Ein abgespecktes Modell könnte Bewegung in den Markt bringen – sofern es rechtssicher, planbar und finanziell tragfähig ausgestaltet wird. Ob die kommende Reform des GEG tatsächlich in diese Richtung geht, bleibt abzuwarten.
Fest steht: Ohne deutlich mehr Dynamik im Bestand wird die Wärmewende im Gebäudesektor kaum zu schaffen sein.
Weitere aktuelle Beiträge
KfW 40 Förderung einfach erklärt: Was Sie wirklich dämmen müssen Wer sich aktuell mit dem Hausbau oder einer umfassenden Sanierung beschäftigt, stößt früher oder später auf die KfW 40 Förderung. Oft entstehen dabei sofort ein ungutes Gefühl und die Angst vor hohen Kosten, komplizierter Technik, strengen Vorgaben wächst. Doch genau hier lohnt sich ein genauer […]
Einfluss der Bauzinsen auf den Immobilienkauf Die aktuellen Entwicklungen bei den Bauzinsen haben spürbare Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Vor allem der Einfluss der Bauzinsen auf den Immobilienkauf steht für viele Kaufinteressenten im Mittelpunkt. Steigende Finanzierungskosten verändern Kaufentscheidungen, dämpfen die Nachfrage und beeinflussen zunehmend auch Preisverhandlungen. Für Immobilienkäufer ist das Zinsumfeld damit einer der entscheidenden Faktoren […]